Masken ab!

Danke devote Romantikerin für den Hinweis!

Es braucht nicht mal drei Sekunden um zu bemerken, dass ich es diesmal mit einem Kaliber gesammelter Geisteskrankheit in Menschengestalt zu tun habe.

„Du kannst nichts in einem anderen erkennen, was du nicht auch in dir trägst.“ Wie Salzsäure hat sich der Satz einer Vertrauten in meinen Verstand gebrannt, danke liebe Helga.

Zwei, drei tiefe Züge grüner Luft, haben es geschafft meine Aufregung ein klein wenig zu dämpfen, auch wenn ich mir bis zum Augenblick seines Eintreffens  eher Sorgen um meinen eigene Verwirrtheit mache. Als hätte mir Doris Knecht ihren „Gruber“ zum Date geschickt, genauso hab ich mir den koksenden  Protagonisten immer vorgestellt:

Halblange Haare, Augen so unendlich groß und schwarz wie meine eigenen nachdem ich zum ersten Mal Speed genommen hatte, die Gestik schnell und hektisch, die Gedankenwelt panisch und paranoid zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten zuckend.

Ist das wirklich nur ein Mensch, der mir gegenüber sitzt? Beim Zuhören habe ich eher das Gefühl, es wären an die sieben verschiedenen.

Kranker eigener Schädel beobachtet und wiegt ab… Abhauen oder bleiben?

Abhauen zurück in eine leere Wohnung? Hier bleiben und mit einem äußerst fragwürdigen Kerl auf Drogen verbringen… Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht.

Entscheide mich für die Thriller Version des Hauptabendprogramms und bleibe bei ihm, umbringen wird er mich schon nicht.

Zitternd fasst die dürre Gestalt in seine Hosentasche und zieht ein kleines Päckchen hervor.

„Zigarette?“

Ich lehne dankend ab, mit dem Hinweis, dass die Scheiße ja voll ungesund sei.

Fast ein wenig beschämt, steckt er sich trotzdem eine an, zieht so tief und neurotisch daran, dass er die Kippe  mit fünf Zügen weggepafft hat. Gratuliere, Lungenvolumen scheint also in allerbester Ordnung zu sein?

Das stinkende Teil ist noch nicht mal abgetötet, da legt Mister Junkie Boy den Kopf schief und sieht mich aus den glanzlosen Augen fragend an:

„Also dann hast du sicher auch ein Problem damit, wenn ich was anderes rauchen will?“

Ich dachte schon er fragt nie, lächle, krame in meiner who-the-fuck-is-Louis-Vuitton Handtasche, schmeiße Papers und Gras auf den Tisch und versinke in einem Lachkrampf.

„Spinnst? Gras ist eh okay, nur Tabak ist scheiße.“

Präzise huschen meine Fingerspitzen über den Utensilien Haufen hinweg, krallen sich alles brauchbare, keine halbe Minute später brennt die Lunte, schenkt dem immer noch unerforschtem S/M Studio eine angenehmen Duft. Langsam legt sich der Schleier aus süßlichem Dunst über eine ganze Galerie von Gasmasken, die auf der anderen Seite des Raums an einer Wand aufgehängt reihen.

Ihnen gegenüber steht ein Gyn.-Stuhl, dahinter an die zwanzig verschiedenen Flogger, Spreizstangen, Knebel, Peitschen, kerzenbeleuchtet führt ein Gang im hinterem Teil des Raumes in einen Keller.

Während ich immer noch konzentriert alle Details des Nebenraums abchecke, drehe ich mich für den Augenblick eines Wimpernschlages zu ihm, doch noch ehe ich ihm den Joint weitergeben kann, packt er mich am Hinterkopf, drückt mich in seine Richtung.

Will ihn nicht küssen, er ist völlig dicht. Muss beinahe kotzen als ich ihn an meinem Gesicht spüre. Würge, konzentriere mich und will den Kopf weit weg drehen.

Was zum Teufel tu ich hier eigentlich. Winde mich gekonnt, er erwischt den Ofen, lässt von mir ab.

„Ich hätte auch noch was anderes.“

Nicht weniger besessen wie vorhin an der Fluppe, inhaliert er das Gras, öffnet die Packung Marlboro, fischt gepressten weißen Kristallstaub heraus. Verdammt, ich dachte nicht, dass mein ganz persönlicher END Gegner so schnell wieder vor mir auftauchen würde .Ohne ihn zu fragen, welchen Namen das Zeug vor mir hat, überflüssig wie Lutscher die nach Scheiße schmecken.

Ich kann noch nicht mal „was für eine verfluchte Kacke“ denken,  geradezu grandios formatieren sich die klitzekleinen Bröckchen vor mir. Gott, wie schön können Drogen sein.

Mit den Sternen um die Wette funkelnd, nimmt der schimmernde  Haufen MDMA  von mir Besitzt, die Obsession hat ihren Platz eingenommen, beherrscht den Geist, regiert den Instinkt, zerstört die Vernunft.

Und plötzlich ist es Zeit.

Zeit, innezuhalten.

Tief durchatmen.

Nochmal.

Zeit, dir ins Gesicht zu fassen.

Zeit, die Maske fallen zu lassen.

Tief durchatmen.

Runter damit, weg mit der Fassade.

Eiskalter Schleier benetzt deine Physis, einzig und allein gestützt vom letzten Rest Ego, der dir immer noch den Verstand durchfickt.

Als würdest wie in Trance auf all die vergangenen Momente blicken, dich fragen was da eigentlich passiert sei, obwohl es doch eh genau weißt.

Reiß sie endlich runter.

Nackt, doch ohne Demut,  nur noch von der Gier getrieben, lecke ich über die Fingerkuppe, tauche die angefeuchtete Spitze in den kleinen Haufen Gift vor mir. Ich hatte schon beinahe vergessen, wie bitter das Zeug schmeckt.

Und plötzlich ist es, als wäre die Angst vor dem Wahnsinn einer tiefen Verbundenheit mit demselben gewichen.

11 Antworten auf „Masken ab!

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