Wild

Muss eine wilde Nacht gewesen sein.. Bin neben einer halbleergefressenen Schachtel mit Keksen und einem geschmolzenem Riegel Kinderschokolade neben dem Gesicht aufgewacht. Die frische Packung mit Batterien liegt unangetastet auf dem Nachtisch. Besuch hatte ich keinen, soweit ich mich erinnere. Es ist mir auch äußerst schleierhaft wie zum Henker ich überhaupt ins Bett gekommen bin, außerdem frag ich mich wieso meine Füße ununterbrochen zittern. Der schnurrende Kater kann´s nicht sein, es fühlt sich nicht flauschig an. Wahrscheinlich ist es meine Mutter. Kurzer Blick unter die Decke und mein Verdacht bestätigt sich.
Millimeter neben meiner rechten Fußsohle liegt das Handy und vibriert so heftig, dass ich mich beinahe verliebe.

„Guten Morgen Mum“,

ich versuche so wach und nüchtern wie möglich zu klingen auch wenn es mich alle Konzentration der Welt kostet, den Hubschrauber im Hirn und den Randalierer im Magen zu ignorieren.

„Was heißt guten Morgen? Es ist halb drei! Bist du jetzt erst aufgestanden? Was tust du in der Nacht? Nein! Ich will es überhaupt nicht wissen! Und warum hörst du dich an wie Bonnie Tyler?“

Meine Mum klingt, als ob sie kurz vor einer Herzattacke stünde.

„Danke mir geht’s gut. Und dir?“

„Das kann nicht so weitergehen, Kind! Du brauchst endlich einen Mann, einen Ernährer“, ich frag mich ob sie das wirklich ernst meint, auch wenn ich die Antwort insgeheim kenne.

„Mama, bitte. Ich hab so viel Zeug zu essen, dass ich damit ins Bett geh “, ich wische mir Schokoladenreste aus dem Gesicht und stecke mir einen der übrigen Vanillekipferl in den Mund.

„Das ist nicht lustig! Du musst dich zusammenreißen! Sonst wird dich nie einer heiraten und ich bekomme niemals Enkelkinder.“

„Mama, genau das ist ja mein Plan. Warum wegen einem Liter Milch, gleich die ganze Kuh kaufen?“
Ich bereue den Satz noch ehe ich ihn fertig ausgesprochen habe.

„Kind! Das kann ja nicht dein Ernst sein! Irgendwann bist du alt und alleine, wenn du keine Familie gründen wirst“, der vorwurfsvolle Unterton in ihrer Stimme ist nicht zu überhören.

Ich bezweifle bei meinem Lebensstil überhaupt alt zu werden, behalte den Gedanken aber für mich.
„Ja Mama, du hast ja Recht. Ist sicher schön wenn man alt ist, die Kinder auf Besuch kommen, dich um Geld anschnorren, deinen Kühlschrank leerfressen, das ganze Bier wegsaufen, den Tank von deiner Karre leerfahren und dir die Dreckwäsche vor die Waschmaschine schmeißen.“

Sie seufzt laut und ich bin mir sicher, dass sie im Stillen ein Stoßgebet zum Himmel schickt.

„Du weißt ja gar nicht wie schön es ist Kinder zu haben!“

„So viel Glück halte ich gar nicht aus. Warum streichst nicht einfach Michael das Taschengeld?“

„Wieso?“

„Naja dann hat er kein Geld für Kondome und du kommst zu deinem Enkelkind“, ich stehe auf um die Jalousie und das Fenster zu öffnen. Doch das Tageslicht gepaart mit der Frischluft haut mich beinahe um.

„Ich will nicht dass sich dein Bruder fortpflanzt. Erstens ist er erst siebzehn und zweitens ist er unmöglich. Er hat gestern zu mir gesagt, ich soll nett zu ihm sein, weil er einmal mein Altersheim aussuchen wird. Kannst du dir das vorstellen?“

„Aber das hab ich doch auch schon oft zu dir gesagt“, entgegne ich ihr gelassen, während ich unter dem Kopfkissen nach etwas essbarem suche.
„Aber nicht an der vollen Kassa beim Billa. Weißt wie mich die Leute angeschaut haben“ der aufgebrachte Tonfall erstaunt mich, meine Mutter ist wahrlich schlimmeres von ihrer Brut gewöhnt.
Als sie letzte Woche mit ihrem schwerst pubertierenden Sohn telefonierte und ihn fragte ob er denn schon im Bus wäre, war seine überaus schlagfertige Antwort: „Nein Mama, ich steige grad zu meinem Crackdealer ins Auto und hol ihn einen runter.“
Die anschließende Diskussion zum Thema das Internet sei an allem Schuld, ist mir immer noch sehr gut in Erinnerung.
Neben dem Bett steht ein volles Glas mit Orangensaft. Mein Mund ist völlig ausgetrocknet, ich leere ich es in einem Zug.
„Pfui Teufel da ist ja Wodka drinnen!“ schrei ich angewidert und muss würgen.
„Trinkst du etwa schon wieder, Kind?“
„Nein Mama, immer erst wenn´s dunkel ist“, ich stehe wieder auf, schließe das Fenster und ziehe den Vorhang zu.
Mein Nacken ist völlig steif, ich frage mich wann ich meinen Kopfwieder bewegen kann. Wenn ein verspannter Arm vom Tennis – Tennisarm heißt, wie heißt dann ein kaputter Nacken den man sich beim Oralsex zugezogen hat? Blasknackwatschen? Schwanzlutschhexenschuss? Fellatiotraumata? Die Frage kommt ganz oben auf die „muss ich mal googeln“ Agenda.
Ganz langsam kehrt auch die Erinnerung an die vergangene Nacht wieder. In flüchtigen Fragmenten schleicht sie sich in das längst für tot erklärte Gedächtnis ein um mich immer wieder eiskalt von hinten zu erwischen. Genauso wie der Kerl, letzte Nacht. Also war doch jemand zu Besuch. Ich beschließe der Sache auf den Grund zu gehen und etwas gegen den beißenden Geschmack von abgestandenem Orangensaft mit Stolichnaya in meinem Mund zu machen.
Entschlossen wanke ich Richtung Küche, öffne die Türe, stolpere über einen leeren Sixpack und knalle beinahe auf einen kläffenden Zwergdackelminilabradudel. Oder so. Ich denke der Hund ist Epileptiker, er zuckt, tanzt und kläfft wie verrückt. Ich hoffe das Mistvieh hat nichts von meinem südamerikanischen Multivitaminzeugs genommen und gleichzeitig gelange ich zu der Überzeugung dass es nie zu früh für Alkohol ist.
„Kind, bitte sag, dass du dir keinen Hund gekauft hast“, dröhnt es aus meiner Hand. Erschrocken zucke ich zusammen, ich hatte bereits auf das Gespräch in meiner Rechten vergessen, als mich die Stimme aus dem Telefon wieder daran erinnert. Jessy Pinkman wirkt gegen mich wie die Biene Maja auf Baldriantropfen
„Mama sei froh, es ist zumindest kein Tiger im Badezimmer eingeschlossen“ mit einem kurzen Blick ums Eck versichere ich mich, dass dort wirklich keiner ist.
„Wie meinst du das? Was redest du für ein wirres Zeug? Und wessen Hund ist das“ sie klingt zunehmend verzweifelter.
Auf der Kommode im Vorraum liegt ein Döner, von dem schon jemand abgebissen hat. Pfui Teufel, denke ich mir, werfe das fettige Teil in Richtung des Kläffers und treffe ihn voll am Kopf. Das wie gesprengt aussehende Fleisch fliegt ihm um die braunen Schlappohren, er schüttelt den Kopf, weiße Soßenspritzer rauschen wie Sternschnuppen durch den Flur. Die Holztüre hinter dem dicken Raubtier, das leichte Ähnlichkeit mit Cindy von Marzahn hat, sieht aus wie die benutzte Kulisse eines Gangbang-Pornodrehs.
Die überraschte Leberwurst auf vier Beinen blickt mich verstört durch die mit Salat verhangenen Augen hindurch an, zumindest ist jetzt Ruhe. Anstatt weiterhin Alarm zu schlagen, leckt der Köter jetzt den ebenso gesprenkelten Fußboden.
„Mach dir keine Sorgen Mama. Der gehört nicht mir, sondern meinem Besuch“, der große, südländisch aussehende Kerl der komatös auf der Couch liegt , erscheint mir die plausibelste Antwort auf beinahe alles zu sein. Ganz egal was passiert ist – es war immer der Neger.
„Welcher Besuch denn?“
„Mama ich muss jetzt wirklich aufhören, sollte mich fertig zum Arbeiten machen“, neugierig schleiche ich um den Unbekannten in meinem Wohnzimmer herum.
„Du hast doch gar keine Arbeit? Also, wer ist auf Besuch“, meine Mutter hat ihre Fassung schnell wieder gefunden und fordert eine Erklärung. Der unbekannte Mittzwanziger zieht sich die Decke über den Kopf, als er meine Stimme hört.
„Mama es ist ein wildfremder Ausländer, der nackt auf meiner Couch liegt und ganz sicher mit Drogen dealt“ ich gebe mein Bestes um nicht allzu sarkastisch zu klingen. Woher weiß die Frau eigentlich, dass ich arbeitslos bin?
„Du hast den gleich trockenen Humor wie dein Vater, Kind. “
„Was heißt hier Humor? Das ist mein Ernst. Und vermutlich bin ich schwanger von ihm, also kommst auch zu deinem Enkelkind. Wird halt eine sehr gesunde Farbe haben.“
Ich hoffe nicht allzu rassistisch zu klingen als ich den halb abgebrannten Joint im Aschenbecher entdecke, den ich mir Sekunden später anzünde.
Durch das auf Lautprecher geschaltene Handy höre ich sie in einem Lachkrampf versinken. Schön wenn die Wahrheit so amüsant ist.
Drei tiefe Atemzüge später sacke ich tiefenentspannt neben den warmen Körper der regungslos daliegt, ich blase etwas des süßlichen Rauchs in seine Richtung.
Der Schwall des Nebels legt sich wie ein Schleier um sein Gesicht. Plötzlich bewegt sich da was, er zieht sich die Decke bis unter die Nase und schlägt die riesigen Augen für einen kurzen Moment auf. Schwärzer als die Farbe selbst.
„Mama ich muss jetzt echt aufhören.“ Ich packe das Leopardenfell-Imitat und reiße es nach unten. Beim Anblick des Körpers der sich die ganze Zeit dahinter versteckt hat, bin ich – atemlos – ganz ohne Helene F. oder die Kinder vom Bahnhofsklo.
Der unbekannte Nackte schläft inzwischen wieder ungerührt weiter. Dann wollen wir mal sehen wie lange.
„Kind, bitte. Ich hab gerade beim Fenster rausgeschaut, wieso steht dein Auto bei mir auf dem Parkplatz? Du bist doch schon seit Wochen nicht mehr hier gewesen. Und wer ist bei dir zu Besuch?“
Sie hätte mich genauso gut nach dem Sinn des Lebens oder der Quadratwurzel aus 104 976 fragen können.
„Mama, weißt du eigentlich was deine andere Tochter geplant hat?“
Meine Finger umkreisen schwarze Nippel, wandern dann über seinen Bauchnabel nach unten um schließlich über den steinhart gewordenen Schwaz zu zeichnen. Scheinbar reagiert er trotz Tiefschlaf recht intensiv auf meine Bemühungen. Hoffentlich ist er nicht der einzige den ich manipulieren kann.
„Nein, ich habe keine Ahnung. Wovon redest du?“
Jackpot, der Köder ist geschluckt, und ich bin die Königin der Ablenkungsmanöver.
„Sie will sich die Augen operieren lassen, damit sie keine Brille mehr braucht.“
Am liebsten würd ich das schwarze Prachtexemplar, dass vor mir liegt besteigen, sein Riesending in den Mund nehmen und solange lutschen bis er heftiger explodiert als der Sprengstoffgürtel eines Dschihadisten.
„Das ist doch nicht weiter schlimm? Ich hab schon mit ihr darüber geredet, die Operation ist ein unkomplizierter Eingriff, hat sie gemeint“ die entspannte Antwort hab ich erwartet, es wird Zeit das Ass im Ärmel auszuspielen.
„Ja Mama. In Österreich vielleicht. Das kostet aber eine schöne Stange Geld, und du kennst ja unseren Sparefroh.“
„Ich versteh nicht. Wo will sie sich denn operieren lassen?“
„Mama, bitte setz dich.“
„Slowenien? Du musst ihr das ausreden! Cevapcici und Calamari ja, aber bitte wer lässt sich dort die Augen richten? “
„Nein nicht Slowenien Mama. Schlimmer…“
„Bitte sag mir endlich wo sie sich operieren lässt..“ die Anspannung ist kaum zu überhören, wie auch? Viel zu abgedreht und unberechenbar scheint dieser Haufen von Nachkommen zu sein. Langeweile ist genauso unbekannt wie das Wort Normalität.
„In Istanbul .“
Hoffentlich hab ich sie nicht umgebracht.
„Mama?“
Nichts, auch wenn ich ganz genau hinhöre und die Luft anhalte, die Leitung ist tot. Verdammt, das dürfte wirklich gesessen haben. Ich nehme an, dass sie dabei ist sämtliche Fenster im Haus zu putzen, dass helfe ihr gegen Stress hab ich mir als Kind mal sagen lassen. Wir hatten immer die saubersten Scheiben der ganzen Straße, mehr als einmal ist ein Besucher gegen die gläserne Terassentüre gelaufen weil sie so sauber war, dass man denken konnte da wäre nichts. Die Nachbarn dachten alle der Kerl aus der Glaserei wäre mein Vater, sooft wie er bei uns war um die permanenten Schäden zu begutachten und zu reparieren.
Der mit einem Satz aufs Sofa springende Hund schreckt mich aus meinem Tagtraum auf und ich frage mich ob ich zu weit gegangen bin. Beim zweiten Rückrufversuch geht sie endlich ran.
„Ich kann jetzt nicht weitertelefonieren. Ich muss die Fenster putzen“, versucht sie mich abzuwimmeln.
„Ist doch alles halb so schlimm, sei froh dass sie sich nicht in einem Dönerstand operieren lässt?“
Den Lachkrampf zu unterdrücken kostet mir mehr Anstrengung als den nackten Mann vor mir nicht anzufassen.
„Das ist nicht lustig! Weißt du wie es dort unten zugeht? Deine Tante war vorigen Monat auf Urlaub dort und hat sich das Bein gebrochen. Weißt du wer sie behandelt hat?“
„Mama, bitte keine schweren Fragen.“
„Die Putzfrau! Die hat zuvor das Klo sauber gemacht, sich den Arbeitsmantel ausgezogen, ein Stetoskop umgehängt und schwuppdiwupp war es aufeinmal die Ärztin.“
Die staubtrockene Antwort haut mich beinahe um und ich lache so laut auf, dass sowohl das dicke Vieh als auch der afroamerikanische Kerl völlig desorientiert und erschrocken in meine Richtung schauen. Unwissend wen von den dreien ich zuerst beruhigen soll, versuche ich erst das Telefonat zu beenden.
„Mama ich werde es ihr ausreden. Versprochen.“
„Bitte tu das! Sonst kommt sie blind und dafür mit einer Brustvergrößerung nach Hause.“
„Falls sie den Weg zurück noch findet“, die gespielte Ernsthaftigkeit überrascht sogar mich.
„Kind, sind denn deine Fenster alle sauber?“
„Ja Mutter. Ich muss jetzt aufhören, in Ordnung?“
„Bis bald. Meld dich falls hungrig bist. Ciao.“
Das war beinahe schon zu einfach, denke ich, ziehe mir dabei das Shirt aus, werfe es auf den dümmlich dreinschauenden Wackeldackel und setze mich auf den Typ.
„Ya Man. You´re so beautyfull Baby!“
Ich lächle ihn an und bin mir sicher dass es ein guter Tag wird.

Ungebumste Neurotiker

Ich hab schlechte Laune, trotz Kirchtag, trotz Alkohol, trotz betrunkenem Pöbel, trotz Sommer. Irgendwie fühlt sich alles Scheiße an. Wieso meldet er sich nicht mehr? Er hat es versprochen, ich krieg nicht genug von ihm, seit zwei Monaten kein Lebenszeichen. Blöder Idiot, fick dich doch ins Knie. Wichser. Wahrscheinlich ist er mit seiner Frau im Urlaub. Wieso lass ich mir den zweiten Sommer in Folge von einem Kerl versauen? Wie blöd musst eigentlich sein? Alles Arschlöcher, schert euch doch zum Teufel. Und warum zum Henker bin ich seit Wochen ungebumst? Daher vermutlich die Selbstmordgedanken, so geht’s sicher nicht weiter, ich hasse diesen Zustand, der Mensch ist nicht fürs nichtficken gemacht; ansonsten hätte uns der da oben sicher nicht so lustige Körperteile und WhatsApp geschenkt. Schluss mit Unlustig, es wird mal wieder Zeit Nägel mit Köpfen zu machen.

Rein in die „Komm-und-fick-mich-High-Heels“ und nichts wie raus aufm Kirchtag, muss laufen, muss saufen, muss irgendwas kaufen….Tauche durchs Nachleben, Menschenmassen mit denen ich verschmelze, für einen Augenblick vergesse ich dieses ekelhafte Gefühl dass mir seit Tagen wie ein Stein im Magen liegt. Unruhig suchend schweifen meine Pupillen umher, doch sie wollen einfach nicht fündig werden, da ist nichts dass mich länger in Beschlag nimmt, meine Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte.

Es ist nicht so, dass die Kerle unattraktiv wären, nein es ist vielmehr die Tatsache dass ich auf einmal hinter die aufgesetzte Fassade blicke; und hinter dieser Freakshow verbirgt sich der wahre Horror….
Hinter dem muskelbepacktem Securitytyp versteckt sich ein kleiner, verletzter Junge, auch wenn er es niemals zugeben würde, so ist er doch auf der Suche nach jemand, der ihn in den Arm nimmt und verspricht das alles wieder gut wird.

Der andere Kerl, der hinter der Theke gelangweilt an seinem Drink nippt, Aston-Martin fährt und eine fette Breitling auf dem Handgelenk spazieren trägt, wird von Minderwertigkeitskomplexen zerfressen, weil sein Schwanz so winzig ist und er außerdem nicht länger als fünf Minuten ficken kann, ohne abzuspritzen. Seine Selbstzweifel münden in grenzenlose Eifersucht, zwanghaft kontrolliert er Frauen die für ihn infrage kommen würden. Projiziertes Misstrauen mutiert zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Neben Mister Minischwanz steht sein Kollege, ein Schönling wie aus dem Bilderbuch, kein Gramm Fett auf den von Kopf bis Fuß in Designerklamotten steckendem Adonis. Fast zu schön um hetero zu sein.

Zur Geisterstunde spaziere ich mit ihm an der Drau entlang, und erfahre dass er in der Schule immer gehänselt wurde, weil er übergewichtig war, mit fünfzehn hat er zum ersten Mal versucht seinem Leben ein Ende zu bereiten. Bleiben unter einer Straßenlaterne stehen, er zeigt mir seine Unterarme, dreht sie soweit nach außen, bis ich die Innenseite sehen kann. Unzählige Narben laufen darüber hinweg, ein sichtbares Zeichen tiefer Trauer, das nie mehr wieder unsichtbar sein wird, zeugt von wahrhaftiger Verzweiflung. Mister ach so hübsch lächelt mich an, ich lächle zurück und zeige ihm meine ebenso vernarbten Arme.

„Süße, da haben wir ja richtig was gemeinsam.“

Er nimmt meine Hand und wir laufen ein Stück des Weges zusammen.

Hashtags sind die besseren Rauten

Jeder einzelne der Wartenden ist ein scheiß Junkie. Man sieht es nicht an den Klamotten; aber an ihren Augen. Das ganze Gehabe dieser Typen verrät sie. Ich kann nicht sagen was genau es ist; doch brauche ich nicht länger als einige Minuten um zu merken, wer zu der Fraktion der Süchtigen gehört, ohne mit ihm oder ihr gesprochen zu haben. Gott, wie ich diese Loser hasse.

Hashtag Scheißjunkie

Was zum Teufel tu ich hier eigentlich? Ich gehöre doch gar nicht hier her. Ich bin keine von denen. Junkies laufen keine Marathons. Punkt. Noch bevor das Gedankenkarusell Amok läuft, wird mein Name ausgerufen, zögernd suche ich mir den Weg in die Praxis. Der Raum ist so unglaublich eng, mir kommt es vor als würden die Wände immer näher kommen.

Hashtag Paranoia.

Kralle meine Fingernägel fest in die Oberschenkel, unfassbar dass kein Blut tropft. Die einzige Flüssigkeit die ununterbrochen läuft ist die zwischen den Beinen. Ein Königreich für einen Fick.

Hashtag Nymphoman.

„Wir haben uns das letzte Mal vor drei Monaten gesehen.“

Während seiner Feststellung schwankt der Blick vom Bildschirm des Rechners zu mir, fixiert mich für einen Moment, um sich kurz darauf wieder der virtuellen Welt zuzuwenden.

Hashtag Psychiater.

Hashtag busy.

Heftiges Türklopfen lässt mich zucken, eine rothaarige Sprechstundenhilfe kommt herein und bittet den Doc um eine Unterschrift wegen eines Rezeptes. Es geht wohl um den Methadon Nachschub für einen Patienten. Verfluchte Opiatabhängige. Die haben zumindest Substitutionstherapie. Pisser. Als wären die die einzigen die wüssten was craving bedeutet. Als Kokserin musst ohne Ersatz aufhören, gibt ja keinen. Würd ich aber auch nicht in Anspruch nehmen wenns so wäre. Wenn schon kämpfen, dann ohne Wenn und Aber; ich bin stark genug um den Mist auch ohne chemische Unterstützung auf die Reihe zu kriegen.

Kaum hat er die Unterschrift auf das Rezept gekritzelt, marschiert Frau Misses Ordinationsprinzessin wieder raus und lässt uns in der trauten Zweisamkeit zurück. Wir reden über Gott und die Welt, doch dieses Mal ist alles anders als beim letzen Mal; anstatt paranoider Verschwörungstheorien hinterfrage ich alles.

Hashtag Nüchterninderdrogenberatung.

„Wir sollten über Medikation sprechen.“

Der Unterton in seiner Stimme klingt überzeugender als der eines Vorwerk-Staubsaugervertreters, für den Bruchteil einer Sekunde schenke ich ihm Glauben. Er labert mich beinahe zu Tode, was ich nicht alles an Tabletten brauchen würde, um zu funktionieren.Lithium, Antidepressiva, Antiepileptische Kacke. Klar, Ganz wichtig, das die Pharmaindustrie überlebt. Was zum Teufel mach ich eigentlich hier?

„Ich brauch keine Pillen, ich schaff das auch so.“

Wenn Blicke töten könnten, würde Herr Mister Freud längst bewegungsunfähig auf dem Fußboden liegen. Ich müsste stimmungsstabilisierendes Zeug schlucken, um meinen Dachschaden unter Kontrolle zu bekommen. So ein Mist, alles was ich brauche ist jeden Tag anständig gefickt zu werden.

„Ich will keine Psychopharmaka fressen. Gibt’s keine pflanzliche Alternative zu den Pharma-Bomben? Was ist mit Johanniskraut?“

Ungläubig schaut mich Mister Psychiater durch die trüben Lichter an.

Hashtag MisterFreud

„Das bekämpft nur ihre Depression, die Manie würde bleiben, sich womöglich sogar verstärken.“

Überlege kurz, komme zu dem Entschluss, keine Ahnung von seinen Bedenken zu haben: „Ja, aber die ist doch eh immer so lustig.“

Unsicher ob er einen Lachkrampf unterdrückt, oder mir auf die Brüste starrt, beobachte ich seine Mimik ganz genau und beschließe ihn beim nächsten Termin ein T-Shirt mit dem Aufdruck „overworked and underfucked“ zu schenken.

„Lustig schon, aber leider auch gefährlich. In einer manischen Phase neigen Patienten dazu unkontrolliert Geld auszugeben und wahllose sexuelle Begegnungen einzugehen.“

Hashtag bipolarkannganzlustigsein

Seine Miene wird augenblicklich so ernst, als ob er mir den nahenden Tod verkünden müsste; warum zum Teufel haben die alle einen Stock im Arsch?

„Ja, das meine ich ja mit lustig.“

Der Psychofuzzie beißt sich auf die Lippen, starrt mir wieder knapp zwanzig Zentimeter unter die Augen, und ich frage mich wer von uns beiden dringender Tabletten braucht.

„Sie können ruhig lachen, ich hab da kein Problem damit“, meine Aufforderung wirkt, denn plötzlich huscht ein Grinsen über sein Gesicht.

„Hören Sie, ich kann niemanden dazu zwingen, Medikamente einzunehmen. Das ist ganz alleine Ihre Entscheidung.“

Alles was ich von Zeit zu Zeit brauchen könnte wäre ein Anti-Aphrodisiakum, aber dazu reicht eigentlich auch Helene Fischer, also verkneif ich mir die Frage, stehe auf und verabschiede mich.

„Vielen Dank, aber ich glaub ich bleib so scheiße wie ich bin.“

Hashtag ohnenormal

Frühstück in Wien

Ich wünschte ich könnt die Zeit anhalten, doch die ersten Sonnenstrahlen dringen bereits durch die geöffneten Fenster herein.
Eng umschlungen liegen wir auf zerwühlten Laken, ich kann sein Herz schlagen hören, drehe mich kurz zur Seite um auf die Uhr zu sehen, mein Verdacht bestätigt sich: Verdammt nur noch eine Stunde.
Als hätte er meine Gedanken fluchen gehört, öffnet er die Augen, flüstert mir „Guten Morgen“ ins Ohr und küsst mich.
„Warum vergeht die Zeit mit dir bloß immer so schnell, Kleines? Wir müssen leider aufstehen, bald geht mein Flug.“
Noch bevor ich widerwillig auf meinen immer noch wackeligen Beinen stehe, hält mich Jan zurück um mir noch eine weitere Erinnerung an die Zeit mit ihm zu hinterlassen.
Er schnappt sich den überdimensionalen Vibrator vom Nachtisch, mit dem ich vergangene Nacht bereits intensive Begegnungen hatte, schiebt meine Beine auseinander und macht genau dort weiter wo wir aufgehört haben, bevor wir beide ins Fickkoma gefallen sind.
Zitternde Knie lassen mich den nahenden Höhepunkt erahnen, doch ehe ich dort ankomme klatscht seine flache Hand gegen die Innenseite meiner Schenkel. Unbändige Lust mischt sich mit dem Brennen, das seine Schläge auf der Haut hinterlassen, und doch bin ich nur mehr kurz vor der Explosion.
Vorsichtig zieht er die riesige, summende Spitze über die völlig durchnässte Spalte, schiebt ihn mir mit einem Ruck hinein und ich komme mit lautem Stöhnen zum Höhepunkt.
Jan lässt einen Moment von mir ab, solange bis ich mich gefangen habe, nimmt mich in den Arm und sieht mich amüsiert an:
„Sag mal, wer hat dir eigentlich erlaubt zu kommen?“
„Entschuldige, ich habs einfach nicht mehr ausgehalten.“
Er streichelt über meine Brüste, erst nur ganz sanft, seine Finger wandern zu den senkrecht abstehenden Nippeln, plötzlich packt er sie fest und zieht daran.
Widerstehe dem ersten Impuls mich seinem Griff zu entziehen, wohlwissend was er dann wohl mit mir anstellen würde. Versuche mich nur noch aufs atmen zu konzentrieren um mich vom stechenden Schmerz in den Brustwarzen abzulenken, der sich allerdings ins Unermessliche steigert als er sie loslässt, aufsteht und kurz im Nebenraum der Suite verschwindet.
Als er wiederkommt, hat er eine schwarze Aktentasche in der Hand, befiehlt mir, mich vor das Bett zu knien und verbindet mir die Augen. Ich kann das Klirren einer Kette hören und ahne nichts Gutes.
Jan schraubt mir die Klemmen sehr fest auf die ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogenen Titten, ich winsle kurz auf, als er die daran befestigte Kette in die Höhe zieht und sie mir in den Mund steckt.
„Wehe, du lässt sie fallen.“
Zärtlich fährt er mir über die Schultern, zeichnet meine Konturen mit den Fingerspitzen nach, wandert hinunter bis zu den Hüften, greift um sie herum und hebt mich ein Stück nach oben. Mit den Armen stütze ich mich auf der Matratze ab, immer und immer wieder landet seine Hand laut schnalzend auf meinen Hintern und den Oberschenkeln.
„Du bist unglaublich. Je mehr ich dich schlage, umso mehr läuft deine Fotze aus.“
Kann sein Grinsen zwar nicht sehen, aber spüren tu ich es. Genauso wie seinen steinharten Schwanz, den er mir Zentimeter für Zentimeter in den Arsch schiebt und mich immer heftiger damit durchfickt.
Um mich am Schreien zu hindern, hält er mir den Mund zu, wohl auch um mich am Loslassen der Metallkette zu hindern an der nach wie vor meine Nippel nach oben gezogen werden.
Mit seinem Riesenprügel in mir, bringt er mich an den Rande des Wahnsinns, Jan hat ihn mir mittlerweile bis zum Anschlag in das enge Loch gedrückt und vögelt mich gekonnt bis kurz vorm zweiten Orgasmus des Tages.
Doch davor, hält er inne, stößt ihn noch einmal ganz hinein, zieht ihn mit einem Mal aus mir raus, dreht mich auf den Rücken und löst das Tape von meinen Augen.
„So Baby, jetzt darfst den Mund wieder aufmachen.“
Er kniet über meinem Gesicht, hält seinen Schwanz in der Hand und wichst ihn. Kaum habe ich die Lippen geöffnet schießt er mir die ganze Ladung tief in den Rachen, ich schlucke alles hinunter und wische über die linke Wange, wohin sich ein kleiner Rest des klebrigen Zeugs verirrt hat.
„Das ist so lieb von dir. Hab schon lange kein Frühstück mehr ans Bett gebracht bekommen.“
Lächelnd löst er die Klammern und massiert den geschundenen Busen, der als das Blut zurückschießt höllisch weh tut. Als sein Handy klingelt, wissen wir beide, dass es Zeit für den Abschied wird. Schweren Herzens packe ich mein Zeug zusammen und umarme ihn ein letztes Mal.
„Am liebsten würde ich dich einfach mitnehmen Maja.“
„Ich glaub nicht, dass das deiner Frau Recht wäre.“

Sehnsucht

Meine Mundwinkel sind nicht die einzigen ramponierten Körperteile, als wir schließlich im Hotel ankommen zeigt der Taxameter dreiunddreißig Euro an.

Noch bevor Jan nach dem Portemonnaie greift, winkt Mister Rastafari tiefenentspannt ab:
„Lass stecken, geht aufs Haus.“

Na toll, dafür dass mir der Typ ins Gesicht gespritzt hat, gibt’s die Fahrt umsonst. Wieso bin ich nicht schon früher auf die Idee gekommen? Hätte mir eine schöne Stange Geld ersparen können, wobei ich mich beim Aussteigen noch frage, ob das rein rechtlich unter Prostitution fällt. Wenn ja, war ich eindeutig zu billig. Vielleicht sollte ich die Nummer mal mit einem Piloten abziehen, um so gratis in den Urlaub fliegen zu können?

Während ich meinen Business-Plan im Kopf weiterspinne, reist mich Jan aus meinem Tagtraum, er nimmt meine Hand und wir schlendern wie verliebte Teenager durch die Lobby.

„Du siehst hungrig aus Maja.“

Ich liebe es, wenn er sich so fürsorglich gibt.

„Bin ich auch.“

„Auf was hast denn Lust?“

Klingt nach einer Fangfrage, vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal nachdenken bevor ich den Mund aufmache.

„Auf Hummer und Austern, und Tiere die aussterben.“

Laut lachend zieht er mich an sich, schnappt sich meinen Hintern und küsst mich. Bitte lieber Gott, mach dass er nie mehr damit aufhört.

„Ich denke wir rufen den Zimmerservice.“

Jan zieht mich hinter sich her, dirigiert mich wortlos in die Suite im höchsten Wolkenkratzer des Landes. Die Aussicht ist gewaltig, direkt unter mir erstreckt sich die Donauinsel und die Reichsbrücke, beeindruckt ziehe ich mir das Kleid über den Kopf, splitterfasernackt stehe ich vor ihm.

Energisch fasst er an die mittlerweile kerzengerade abstehenden Brustwarzen, Fingerspitzen die mich immer weiter in den Wahnsinn treiben.

Jan presst seinen Körper an meinen, gekonnt reibt er über den heißen Fleck zwischen meinen Beinen, wie ein Gepard der um die Antilope schleicht, kurz bevor er sie mit einem gezielten Biss in die Kehle erledigt.

Bestimmt umklammert er mit seinen Händen meine, hält mich fest, sein Mund kommt immer näher zu meinen Ohren und ich kann seinen Atem spüren. Diffuser Schwall aus warmer Luft kitzelt die Nervenenden, feucht und hart spielt die Zungenspitze, besessen tänzelt sie über mein Ohrläppchen, wie ein Jugendlicher auf Excstasy.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen zieht sich ein eiskalter Schauer über jeden einzelnen Quadratmillimeter meiner Haut, legt sich bestimmt über den Nacken, drückt unerwartet zu und hinterlässt nichts als einen Hauch von Sehnsucht im Unterbewusstsein.

Ich bin nicht mal einen Millimeter davon entfernt, den Verstand endgültig zu verlieren, meine Knie versagen ihren Dienst und ich sacke wie ein nasser Sack in seine Arme.Er fängt mich auf, hebt mich hoch, vorsichtig lässt er mich aufs Bett sinken, streichelt mir übers Gesicht, fixiert mich mit seinem Blick.

„Ruh dich mal aus, Kleines. Ich bin hier, falls du irgendwas brauchst.“

Kralle meine Finger in seinen Nacken, ziehe ihn noch ein Stückchen näher, will ihn nie mehr wieder loslassen. Inhaliere das Gefühl von wahrhaftiger Nähe, seinen Geruch, die Gewissheit am Ende der Suche angekommen zu sein.

„Aber ich will nicht einschlafen.“

Beherzt versuche ich Widerstand zu leisten, ich will keine einzige Sekunde verschwenden in der er bei mir ist.

„Maja, ich verspreche dir, dass ich da bin, sobald du die Augen wieder aufmachst.“

Jan kuschelt sich an mich, zieht mir die Decke über den nackten Körper, liebkost meinen Nacken und hält mich fest. Wie ein Schleier legt sich eiserne Müdigkeit über mich, trotzdem kribbelt es wie verrückt; nicht nur zwischen den Beinen, nein; ich glaub diesmal auch unter den Rippen.

Scheiße, ich bin verliebt.

Helene Fischer plus Fellatio

Langsam setzt sich der Wagen in Bewegung, es ist eiskalt da drinnen, Klimaanlage sei Dank; und dennoch wird mir mit jeder Sekunde heißer. Ich sitze auf der Beifahrerseite des Taxis, Jan hat sich hinter dem Fahrer platziert, wohl um ganz genau zu sehen, was ich mache. Durch den dünnen Stoff des Strandkleids zeichnen sich meine Nippel ab, was auch dem Typ neben mir nicht entgangen ist.

Ich schätze ihn auf Mitte Zwanzig, er trägt eine verwaschene Jeans zu einem weißen Hemd, dass mit seinen Zähnen um die Wette leuchtet, die Schultern durch lange Dreadlocks verdeckt, die er offen trägt.

Es grenzt an ein verfluchtes Wunder, dass im Radio nichts von Bob Marley läuft. Nein, auch nix von Gentleman oder Patrice. Mister Rastafari hört deutsche Schlager. Was für ein Alptraum.

Atemlos, durch die Nacht.

Helene Fischer CDs sollten sie in sozialen Brennpunkten auf Krankenschein verschreiben; es ist wohl eins der besten Anti-Aphrodisiaka überhaupt, vermutlich mit dem gleich hohen Pearl Index wie Kondome.

Durch die Aussparungen der Nackenstütze kann ich plötzlich Jan spüren, er streichelt meinen Nacken, verfängt sich in einer der Haarsträhnen und zieht mich zurück.

„Sag mal Schätzchen, wolltest du nicht noch was fragen?“

Ach ja, da war noch was.

Es macht mir prinzipiell nichts aus Fremde Menschen nach Oralsex zu fragen; in einer Diskothek oder einer Hochzeit, wobei man da ja auch immer betrunken ist. Aber das hier ist eine ganz andere Nummer.

Drei Kilometer zeigt der Taxameter an, ich habe also noch gute 17 übrig.

Tief einatmen, Helene Fischer ignorieren, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Röcheln. So laut atmen, dass man Helene Fischer nicht mehr hört.

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

„Gnädige Frau, ist alles in Ordnung?“

Na toll; der redet auch wie ein Spast. Zumindest ist es mir jetzt egal.

„Nein.“

Die Ampel vor uns schaltet auf Rot, der Wagen hält und Mister Cab Driver sieht mich aus riesigen dunkelschwarzen Augen fragend an:

„Was stimmt denn nicht?“

„Baby, die Musik ist schrecklich. Würde es dir was ausmachen auf FM4 umzuschalten, wenn ich dir im Gegenzug einen blase?“

Jans Griff lockert sich augenblicklich, lachend quittiert er den fragenden Blick des Taxifahrers mit einer Kurz – Anleitung für meine Wenigkeit.

„Schon gut Junge. Sie meint das Ernst und macht das richtig gut. Fick sie ruhig ins Gesicht.“

Lauter werdendes Hupen hinter uns, lässt ihn aufschrecken und weiterfahren, während ich schon über seine Schenkel streichle und bemerke wie die Anspannung in seinen Muskeln merklich nachlässt; oh ja er scheint sich zunehmend zu entspannen.

Fasse ihn zwischen die Beine, sein Schwanz drückt steinhart gegen die Handfläche; öffne den Reißverschluss seiner Levis, hole das glühende Teil in schwarz aus seiner Verpackung. Gott ist der groß, wie hat er all das in der engen Jeans verstauen können?

Die Schwanzspitze leuchtet dunkelviolett, er ist beschnitten und bis auf den letzten Quadratmillimeter rasiert. Juhu; blasen ohne danach ein Wollknäuel auszukotzen.

„Gnädige Frau, ich muss hier Auto fahren.“

Angesichts der Tatsache, dass ich die schwarze Latte bereits bis zum Ende im Mund habe, hält sich meine Begeisterung für Smalltalk in Grenzen, weswegen sich Jan einschaltet.

„Fahr die Übernächste rechts rein.

Durch den Stillstand des Autos werde ich aus der Trance gerissen, wo zum Teufel sind wir denn hier?

Alte Industrieruinen säumen das Blickfeld, als ob die Uhren hier vor sehr langer Zeit stehen geblieben wären.

Lange kann ich mich nicht an dem Panorama sattsehen, unerwartet reißt Jan die Türe auf und zerrt mich aus dem Auto.

Noch bevor ich realisiere was mit mir geschieht, küsst er mich, zieht mir währenddessen das Kleid aus, drückt meine Titten fest.

Winde mich vor Schmerz und Lust, ehe ich zwei weitere Hände spüre, diesmal an meinem Arsch, erst ein vorsichtiges Abtasten um allmählich in forderndes Schlagen überläuft. Schneller und härter knallt die flache Hand auf den Hintern, es brennt wie verrückt.

Unerwartet fange ich mir eine Ohrfeige, unfähig zu einer Reaktion hebt mich einer der beiden auf die Motorhaube, die sich als äußerst heiß erweist.

„Die war dafür, dass ich über eine Woche auf dich gewartet habe.“

Dachte mir schon, dass ich mir die von ihm eingefangen habe, auch die nächste verfehlt ihre Wirkung nicht um einen einzigen Millimeter.

Jan legt mir seine Finger um den Hals, drückt zu, ich bekomme keine Luft mehr. Zwischen meine Beine drängend, packt er den Schwanz aus, reibt ihn an mir und dringt heftig in mich ein, fickt meine Fotze wie ein junger Gott.

Will schreien, weit geöffnet der Mund als ich plötzlich noch was Hartes dort reingerammt bekomme; amüsiertes Gelächter über mir.

„Baby, ich hab dir doch gesagt, dass die Klappe nicht immer so weit aufmachen sollst.“

Das Comeback des Womanizers

Jedes einzelne Abteil des Zuges ist bis zum Rande vollgestopft mit verschwitzten Reisenden, das Gepäck hinter mir herschleppend suche ich nach einem einzigen leeren Sitz; vergebens.

Mit einem kurzen Zischen öffnet sich die Tür zum Speisewagen, und doch fühle ich mich, als würde ich gegen eine Wand laufen. Kein Wunder das der Waggon der einzige ist, fast der leer ist, es hat bestimmt tausend Grad hier. Abgesehen von einem dunkelhäutigen Mann, einer älteren Frau mit Dackel und mir hält sich kein anderer Fahrgast da drinnen auf.

Eine ankommende Mitarbeiterin entschuldigt sich für die ausgefallene Klimaanlage, sie wirkt äußerst verzweifelt und mitleidserregend. Verständlich wenn man in einer Uniform durch die Sauna läuft und dabei verschwitzte Leute nach der Fahrkarte fragen muss. Eigentlich eh ein Scheiß Job.

Setze mich ans Fenster, reiße solange am Griff, bis sich die Selbstmordschutzvorrichtung löst und ich es öffnen kann. Der durchstreifende Windhauch und ein großer Schluck der eiskalten Cola lassen mich erleichtertet Seufzen.

Ich bin endlich unterwegs zu Jan, mit einer Woche Verspätung ist meine Lust auf ihn ungebrochen und steigt genauso wie die Temperatur mit jedem Kilometer, an dem ich näher zum vereinbarten Treffpunkt komme.
Tief in Gedanken versunken schaue ich aus dem Fenster als ich das Summen neben mir bemerke, ein kurzer Blick aufs Display bestätigt meine Vermutung: Nachricht von ihm.

„Ich will dass du dir das Vibro Ei in die Muschi schiebst. Jetzt sofort.“

Verstohlen suche ich in der Tasche nach dem kleinen, ferngesteuerten Vibrator und mache mich auf den Weg in die Toilette, als die nächste Nachricht von ihm kommt.

„Dort wo du jetzt bist, nicht aufs WC verschwinden.“

Eine Gänsehaut läuft mir über den Rücken, woher weiß Jan was ich vorhabe? Beobachtet er mich etwa? Oder hat er einfach geraten?

Nach kurzem Überlegen tippe ich auf die dritte Möglichkeit, verschwinde für einen Augenblick in dem abgefucktem Klo, steck mir das rosafarbene Ei tief in die bereits völlig durchnässte Spalte und nutze die Gelegenheit um mich frisch zu machen, es dauert nicht mehr lange bis ich in der Hauptstadt ankomme.

„Sehr geehrte Fahrgäste wir erreichen in wenigen Minuten Wien Hauptbahnhof“

Die Durchsage kommt genau richtig, ich packe mein restliches Zeug hektisch zusammen und mache mich bereit zum Aussteigen.

Der wuselnde Pulk am Bahnsteig macht es mir unmöglich den Traum meiner schlaflosen Nächte zu finden, wozu auch, der soll gefälligst mich suchen.

Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, krallt sich eine Hand meinen Arsch. Erschreckt drehe ich mich um und tatsächlich: Jan.

Hypnotisiert von seiner Aura schlinge ich meine Arme um ihn, er packt mich am Hinterkopf, zieht mich an sich und ich verliere mich im darauffolgenden Kuss. Verliere mich ich Ihm. Verliere mich in seinem berauschenden Geruch.

Filmreifer hätte es auch Steven Spielberg nicht hinbekommen.

Als wir uns voneinander lösen, sind wir die Einzigen die zwischen den zwei wartenden Zügen stehen; unfähig einen Schritt zu tun, weil die verdammten Knie weich geworden sind.

„Schön dass du gekommen bist.“ Der Klang seiner Stimme lässt mich um mein Haar die Fassung verlieren; es könnte aber auch am laufenden Vibrator liegen, der nach wie vor in mir steckt.

Er nimmt meine Hände in seine und schaut in dem Moment aus, wie ein kleiner Junge, der sich zum ersten Mal verliebt hat; riesengroße Augen glänzen mir entgegen.

Während ich noch probiere mich dem perfekten Moment hinzugeben, laufen tausend Gedanken durch meinen Schädel.
Soll ich ihm sagen, dass ich jede Sekunde ohne ihn zu sein gehasst habe? Dass ich mich in ihn verknallt habe? Soll ich einfach so tun, als wäre er nichts anderes als ein netter Zeitvertreib? Soll ich mich einfach komplett unnahbar geben? Soll ich mich einfach betrinken?

„Ich muss aufs Klo.“

Danke liebes Gehirn. Genau nach der Ausrede hab ich gesucht, die lässt so viel Interpretationsspielraum. Souverän war gestern. Fotze.

Seine Gesichtszüge werden noch eine Nuance weicher, ein verschmitztes Lächeln huscht über seine Lippen.
„Na du kleines Luder, willst den Fipsi nicht etwa schon wieder rausmachen?“

Vorsichtig tastet sich seine Linke unter meinen Rock, ich bin so heiß auf ihn, dass ich mich am liebstem gleich hier auf der Stelle von ihm nehmen lassen möchte.

Mein Becken tanzt bereits in den bekannten Fickbewegungen gegen seins, seine Finger streicheln erst über meine Wirbelsäule, kratzen am Nacken ehe sie sich am Hinterkopf in meinen Haaren vergraben.

Als ob die Luft nicht schon heiß genug wäre, dreht sein Atem im Nacken noch mal den Thermostat nach oben, ich wäre dann soweit um wahnsinnig zu werden.

Verspielt tänzelt die Zungenspitze über die Konturen von meinem Ohr, ich weiß nicht ob die Innenseite meiner Oberschenkel schmilzt als seine Hand dort bemerke; unaufhaltsam nach oben wandernd.

„Maja, irgendwie bist ein bisschen durch den Wind, was?“

Geschickte Finger haben meinen Tanga längst auf die Seite geschoben. Zärtlich streichelt er mich, teilt die kleine Furche zwischen den Schamlippen und dringt in mich ein. Das vibrierende Plastikgerät und seine Finger sind einfach zu viel auf einmal.

Ich beiße mir auf die Lippen um nicht laut zu stöhnen als es mir kommt, zeitgleich fährt einer der Züge ab und ein Schaffner kommt in unsere Richtung. Perfektes Timing.

Jan zieht die Hand zurück, nimmt mein Gepäck und wir verlassen den Bahnhof, meine Beine sind wackelig und das Vibro Ei ist immer noch in mir.

Noch bevor wir in eins der Taxis einsteigen flüstert er mir zu:

„Du hast die Aufgabe im Zug nicht so erledigt wie ich dir sie aufgetragen habe. Dafür wirst du dem Taxifahrer den Schwanz lutschen.“

Mit offenem Mund starre ich ihn an und frage mich, ob ich eben richtig gehört habe.

„Mach den Mund zu, Maja. Den wirst du gleich weit genug aufmachen müssen.“

Aus dem schwarzen Mercedes vor uns, steigt ein ebenso dunkler Kerl aus, lächelt uns zu und verstaut meine Tasche im Kofferraum.

Über Gartenzwerge und sprechende Krawallraupen

Fest entschlossen, dass ich alles wieder auf die Reihe bekomme schnappe ich mir die Überweisung für die Psychiatrie, verabschiede mich vom Oberschnucki im weißen Kittel und mache mich auf den Heimweg.

Erstmal die Krawallraupen versorgen, das hat die höchste Priorität. Punkt zwei auf der Agenda ist das Schlachtfeld zuhause säubern.

Auf dem Weg nach dorthin ruft mich Manuel an, erkundigt sich ob alles wieder gut sei. Ich lüge ihn an und sage alles sei in bester Ordnung, keinen Ton von meinem Plan mit allem was zu dem gottverdammten Teufelszeug dazugehört endgültig zu brechen.

„Du hast mir eine Heidenangst eingejagt, du hast nicht mal mehr gewusst wer ich bin.“
Sein Tonfall ist überraschend ernst, ganz anders als zwei Tage zuvor. Frisch durchgefickt und voller Champagner ist eben entspannter.

„C’est la vie mein Lieber. Kennst mich eh. Immer bis zum geht nicht mehr und noch ein bisschen weiter.“
„Bitte, pass auf dich auf.“

„Mach ich Großer. Wir hören uns.“

Kaum angekommen überfällt mich die Putz Wut, suche die ganze Bude nach Drogen ab und werfe alles in den Müll. Drama hatte ich genug, weg mit allem, was mir nicht gut tut. Ab sofort will ich nur noch Menschen treffen die eine Bereicherung für mich sind.

So wie der liebste aller Gartenzwerge.

Ellenas Schmunzeln wirkt wahre Wunder, wir sitzen in einem Cafe am Stadtrand.

„Na, du Partytiger, wie war der Ausflug in die Klapsmühle?“

Mir bleibt vor Lachen fast das Vanillekipferl im Hals stecken.

„Die haben gesagt ich bin zu wenig Irre.“

„Die haben was?“

„Kann ich deinen Keks haben, Frau Misses Gluten wird uns alle umbringen?“

Gott, bin ich hungrig.

„Jetzt erzähl schon was los war.“

„Ich war bei einer Psychiaterin, die hat sich nett mit mir unterhalten und mich gefragt ob ich denn schon mal dort drinnen war. Ich so – ja vor einer halben Ewigkeit. Dann wollte sie wissen ob ich in der Zwischenzeit nie in einer Anstalt oder in Haft war. Als ich beide Fragen verneinte hat sie gesagt, dass dann ja eh alles gut sei und sie mir ein Antidepressivum verschreiben kann.“

Ellenas gebannter Blick spricht Bände.

„Das ist nicht dein Ernst?“

„Und ob. Ich dachte erst ich würde wenigstens ein Gratis Mittagessen abstauben.“

„Wie geil ist das denn bitte?“

„Also ich finde das nicht lustig. Nach drei Tagen verkatert sein, braucht man schließlich auch was zu essen. Frau Psycho- Doktor hätte das schon wissen müssen?“

Gierig starre ich auf das Sandwich, dass ein älterer Herr am Nebentisch serviert bekommt.

„Maja du hast so einen Knall.“

„Ich will noch ein Keks.“

Durch unser Lachen aufgeschreckt, starrt der Rentner plötzlich zurück, ich drehe meinen Kopf in die andere Richtung um nicht den Anschein zu erwecken, dass ich ihn anflirten würde. Im Augenwinkel sehe ich etwas Pelziges und zucke kurz zusammen.

„Was ist jetzt los? Kriegst den nächsten Anfall?“

„Boah, ich dachte hinter mir sitzt eine Katze, dabei war es der Dutt von der Tussi da drüben.“

Na bravo, jetzt hab ich auch noch Angst vor fremden Haaren, ob es dagegen was von Ratiopharm gibt?

„Vielleicht hättest das der Ärztin sagen sollen? Dann hättest sicher drei warme Mahlzeiten am Tag bekommen, für sehr lange Zeit sogar.“

„Verdammt, wieso bin ich nicht von selbst auf die Idee gekommen?“

„Fahr einfach noch mal rein und erzähl ihr, die Katze hat gesagt du musst das tun.“

Mittlerweile starren uns alle anderen Gäste an, bin mir nicht sicher ob es an unserem blendenden Aussehen oder der ausgelassenen Stimmung liegt.

Man wird sich wohl noch freuen dürfen, wenn man zu wenig durchgeknallt und am Leben ist.

„Super Idee Ellena. Sag mal wolltest du nicht um halb eins los?“

„Ach ja, verdammt. Ich hab keine Lust wieder nach Hause zu fahren.“

„Ruf deinen Mann an. Sag ihm die Katze hat gesagt dass du mit mir ans Meer fährst.“