#Roastbeef

Pflichtbewusst schmiert Mister Loverlover Senf auf das Stück Kuhleiche, das wie aufgebahrt auf dem Bräter vor ihm thront. Meinen Einwand man sollte das Roastbeef im Garten begraben um ihn die letzte Ehre zu erweisen, ignoriert er. Stattdessen zickt er rum, weil ich den Verschluss der Senftube verloren habe.
„Na und, du hast mir die Unschuld geraubt.“
Sein Lachkrampf lässt erst nach, als er mir an den Hintern fasst – es riecht nach Genrewechsel. Seine Belustigung weicht sexueller Erregung – Ich kann es ganz genau spüren, als er mir die Short nach unten zieht. Dynamischer als ein Eichhörnchen auf Ephedrin drückt er meinen Kopf auf die Tischplatte – und sich in mich.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mich das Stück Rind direkt neben meinem Gesicht eher anmacht oder ich mich davor ekeln sollte. Ethisch korrekt fühlt es sich nicht an. Aber geil. Man kann halt nicht immer alles auf einmal haben – Moral und Geilheit passen scheinbar nicht zusammen.
Da könnte man Weihnachten genauso gut im Swinger Club feiern.
Ich sage er soll aufhören, Kartoffelschälen und Analverkehr zur selben Zeit irritiert mich, genauso wie Fleisch vor meinem Gesicht. Schließlich bin ich Mitgleid beim VGT. Trotzig rammelt er mich weiter: „Multitasking, Baby.“
Es dauert nicht lange, bis sowohl die tote Kuh als auch die Kartoffeln auf den Boden fallen, genauso wie die Senftube und die angebrochene Flasche Bier. Scheinbar versteht er das Scheppern als Anfeuerung – oder er will mich zu Tode ficken weil ich den Schraubverschluss verloren habe? Sein immer lauter werdendes Hecheln lässt auf Erlösung hoffen – oder eine Herzattacke befürchten. Sein Fuß tritt auf den Senf, springflutartig schießt das braune Zeug über den Fußboden und den Kopf der Katze. Unbeirrt hämmert er weiter, während die Mietzekatze panikartig davonläuft.
Plötzlich hört er auf, steht erst mucksmäuschenstill ehe er meinen Kopf an den Haaren nach oben zieht:
„Schau mal da raus, da zwischen den Bäumen“, sein Finger deutet durch die Fensterscheibe auf den Wald. Die Theatralik in seinem Unterton klingt, als ob er Bigfoot da draußen gesehen hätte.
Doch so sehr ich mich auch konzentriere, ich kann nichts sehen. Vielleicht liegt’s aber auch an der stillstehenden Penetration. Davon kann man blind werden, hab ich mal auf Google gelesen.
„Was zum Teufel soll da draußen sein?“
Stillstand beendet, die Maschine läuft wieder:
„Schau genau Babe, es ist deine Unschuld, die eben in den Wald gelaufen ist.“

#Sommer

Sommer liegt in der Luft, die Atmosphäre in diesen Tagen kribbelt vor Aufregung. So viele glitzernde Augen sieht man nicht mal beim Sommerschlussverkauf im Einkaufszentrum.
Abgesehen vom Alkoholverkauf lässt die Vorfreude auf das kollektive Dauerbesäufniss auch die Temperatur in den schmalen Gassen der Innenstadt ansteigen. Kirchtag ist! Villach säuft. Italien eskaliert. Und ich versuche die Contenance in Person zu verkörpern- ich bestelle tatsächlich Wasser. Nein, ich will mich nicht waschen sondern das Zeug trinken.
Meine Gang fragt ob ich sehr krank bin. Ich sage nein. Der Besoffene Sack am Nebentisch fragt, ob ich schwanger bin. Ich sage nein, nur fett.
Mama schenkt mir Wein ein, bemerkt beiläufig dass auch Schwangere hin und wieder ein Glas heben dürfen, schließlich hätte sie das auch getan als sie zu mir trächtig war. Kralle mir die Flasche Welschriesling aus dem Kühler, setzte sie an um sie aus zu trinken.
„Ja Mama, hast Recht. Immerhin ist ja aus mir was geworden. Kannst ruhig mal meinen AMS Berater fragen.“
Gekonnt ignoriert sie meinen Provokationsversuch, dreht sich auf die andere Seite um eine Diskussion zum Thema Dammschnitt und Wehen Einleitung mit dem unbekannten drei-Prommiler anzufangen.
Trotzig schütte ich das Wasser in den Blumentopf vor uns, ehe ich ihn unbemerkt in die Handtasche meiner Mutter stopfe. Schließlich lasse ich mich nicht ignorieren. Als der Kellner vorbeikommt, flüstere ich ihn ins Ohr: „Hören Sie mal, die alte Frau neben mir klaut eure Tischdeko.“
Vermutlich ist er der deutschen Muttersprache nicht mächtig, denn anstatt die Polizei zu rufen zuckt er mit den Schultern: „Meine Kollege kommen gleich. Ich nichts zuständig für scheiße Buschkawettel. Ich nur Klo kassieren, da keine Blumen nur Papier auffüllen.“
Olga fragt wieso ich mit dem Scheißhauschef anbandle, ich könnt mindestens einen von den Türstehern abkriegen. Meine bedauernswert immer noch unverhaftete Mutter bemerkt die untergejubelte Beute erst im nächsten Bierzelt. Ihrem resigniertem Kopfschütteln folgt ein: „Das Kind war immer schon schwierig.“
Vermutlich weil sie in der Schwangerschaft gesoffen hat. Irgendwer muss doch Schuld an meinen offensichtlichen Defiziten tragen.
Olga will wissen ob wir die Blumen nicht rauchen können. Mama sagt, Olga soll schlafen gehen so angesoffen wie sie ist. Olga sagt, ey ey Kapitansky, lässt sich unter den Tisch fallen um auf den versifften Pflastersteinen ein Nickerchen zu halten.
Höchstwahrscheinlich hat auch ihre Erzeugerin gesoffen, als Olga noch ein Embryo war.
Lachende Feierwütige zucken sofort ihr Handy um das Rauschgerät unter uns zu fotografieren. #Kirchtagsopfer.
Nach dem gefühlt dreitausendsten Schnappschuss schreckt Olga plötzlich auf, stoßt sich den Kopf an der Tischplatte, brüllt lei lei und fragt nach einem Krapfen. Tante Uschi zieht an ihrem Ohr, behersch dich bitte, Fasching war schon.
Rappeln uns auf, ziehen weiter. Flanieren raus aus dem Trubel, runter zur Drau. Vorbei an Horden wildpinkelnder Freizeitsäufer, fummelnder Volksschüler und tiefenentspannter Kiffer, während über uns die Post abgeht. Wärmen längst vergessene Saufgeschichten auf, als es aufeinmal hinter uns knallt.
Wie aus dem Nichts klatscht der Körper auf den Asphalt, aus der Nase und dem Mund des jungen Mannes läuft Blut, außer seinem röchelnden Atmen ist nichts zu hören. Ich rufe den Notarzt, während das Blitzlichtgewitter über unseren Köpfen einsetzt. Erstmal ein Foto für Facebook, social media für ganz asoziale. Ich zweifle an der Menschlichkeit der Gaffer, schicke ein stilles Stoßgebet nach oben: Herr lass es Empathie regnen.
Schöne neue Welt.
#Fuckdigitalism
#Fucksocialmedia

Blutsaugende Arschlöcher unterm Blutmond

Mein unermüdlicher Einsatz vor dem Bildschirm fordert seinen Tribut – mir flackern die Augen, mehr und mehr verzerrt sich der Blick. Ich tröste mich damit, dass die Nebenwirkungen der Realität wohl heftiger ausgefallen wären – lieber überanstrengte Sehorgane als Syphilis. Danke Youporn.
Versuche zu schlafen, doch statt Schafe zu zählen, sehe ich immer noch überall Genitalien. Ich beschließe nie wieder Onlinepornos zu schauen, es sei denn jemand begattet dabei ein Schaf.
Fest entschlossen verordne ich mir Solosex Entzug und starre eine Nacht später auf den roten Mond. Er erklärt mir warum er so rot ist. Ich frage, ob wir uns das Spektakel nicht im Livestream anschauen können. Weil hier draußen stinkst nach Natur, außerdem ist alles voller blutsaugender Arschlochinsekten.
„Keine Angst Babe. So vergiftet wie du bist, wird keiner der Viecher dein Blut wollen.“
Was glaubt der eigentlich von mir?
„Ach ja? Vielleicht gibt’s aber welche die nicht spaßbefreit sind und gerne mal einen draufmachen?“
Trotzig kann ich. Als ob ich ihm da letzte Wort überlassen würde.
„Du meinst Junkiegelsen?“
Meine Halsader schwillt schneller an, als sein Penis beim Anblick seiner Fußpflegerin. Der hat sie doch nicht alle.
„Ja, du Idiot. Vielleicht ist eine davon die Reinkarnation von Pablo Escobar?“
Breit grinsend kommt er zu mir, schiebt mir das Shirt hoch.
„Willst du jetzt wirklich über Karma reden Kleines?“
Unentschlossen ob ich wütender- oder scharf auf ihn bin, winde ich mich aus seinem Griff.
„Und übrigens: dein Hund stinkt.“
Schneller als ich mein Konto überziehen kann dreht er mir die Arme nach hinten, drückt mich auf den Holztisch um mir auch noch die Short nach unten zu ziehen.

Über Orgasmuskatalisatoren

Er vögelt mich mit der Gewissenhaftigkeit eines deutschen Finanzbeamten, kurz bevor ich ohnmächtig werde klingelt sein Wecker zum dritten Mal. Gott sei Dank – ich dachte schon er tötet mich versehentlich. Nicht das ich was gegen einen Abgang beim Ficken hätte – aber bitte nicht wenn die Sonne scheint. Niemand sollte bei Badewetter krepieren. Man gießt schließlich seine Blumen auch nicht mit Champagner
Und niemand sollte angebumst liegen gelassen werden, schon gar nicht ich. Wäre ich nicht so unmotiviert, würde ich mir irgendeinen Dilettanten aus ‘m Netz zum Fertigmachen holen. Ich hab aber keinen Bock auf analoge Zwischenmenschlichkeit – wozu auch? Die Realität bietet nicht mal annähernd das, was ich an Perversionen suche. Ein Hoch auf die Digitalisierung.
Nach dem dreiundzwanzigsten asiatischen Lesbenporno verstauche ich mir das Handgelenk. Außerdem schaut der Hund aus, als ob er sich vor lauter passiv wichsen sein Hirn verstaucht hätte. Vielleicht sollte ich doch mal irgendetwas Produktives tun?
Wanke in die Küche und öffne den Geschirrspüler. Zum Ausräumen reicht der Motivationsschub leider nicht aus. Außerdem, wer sagt schon das Masturbieren unproduktiv ist.
Damit es nicht allzu eintönig wird, beschließe ich einen Orts- und Materialwechsel. Statt weiterhin im Schlafzimmer auf Handbetrieb zu schalten – parke ich meinen Luxuskörper im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Statt asiatischen Lesben kopulieren afroamerikanische Liliputaner auf dem Bildschirm. Die Batterien aus der Fernbedienung wechseln ihren Hauptwohnsitz Richtung Vibrator, schließlich will ich keine Sehnenscheidenentzündung riskieren.
So angenehm die maschinelle Onanie auch ist – leider fühlt sich der Hund von dem Ton der Wichsmaschine irritiert und sucht das Weite. Was sehr schade ist – ich find es scharf wenn er mir dabei zusieht. Voyeuristische Hunde sind Orgasmuskatalisatoren. Im Gegensatz zu Katzen, die fungieren eher als Spaßbremsen.
Was wohl Edith Klinger zu dem Thema gesagt hätte?
„Das arme Viecherl“, vermutlich.
Schneller als erwartet kommt der Traum meiner schlaflosen Nächte vom Arbeiten zurück, lässt sich wie ein nasser Sack aufs Sofa fallen. Ich könne mir ja gar nicht vorstellen wie anstrengend sein Tag gewesen sei. Brüskiert entgegne ich, ob er eigentlich eine Ahnung hätte, wie stressig dauerrubbeln sei. Verständnisvoll nickt der Hund in seine Richtung, während er mir den Bademantel aufreißt.

Romantikbehindert

Am Freitag sind wir fest entschlossen ein neues Leben zu beginnen. Motivierter als Sebastian in der Flüchtlingsfrage schwören wir allem ab, was der liebe Gott, bzw. der Gesetzgeber verboten hat.
Tatsächlich hält der Vorsatz ganze zwölf Stunden lang – solange bis wir beide das Gefühl haben, etwas zu vermissen – den Brechreiz und die Kopfschmerzen zum Beispiel. Jeder Mensch braucht schließlich eine Konstante im Leben. Ein Hoch auf die Konditionierung.
Pawlow, du blöder Wichser.
Ohne dich, würd ich längst Lamborghini fahren und ein Feriendomizil in St. Tropez mein Eigen nennen, anstatt das Bruttosozialprodukt Kolumbiens aufzubessern. Arschloch.
Seine Augen schwärzer als der Himmel über uns, sein Schwanz mindestens so hart wie die vergangenen Tage. Mit dem einzigen Unterschied, dass mich seine Erektion glücklich macht – Sinnkrisen eher nicht. Er setzt das Ding engagierter ein, als Luka Modric sein Talent auf dem Fußballplatz – ich frage mich insgeheim ob Mister Überdrüberpotent was ausgefressen hat. Es fühlt sich an, als würde er mich um Vergebung penetrieren.
Er sagt, dass er mich liebt. Ich will wissen, ob er die Fußpflegerin gefickt hat.
Für einen Moment hält er inne, streift mit seinem Blick umher, ehe er meinen Slip vom Nachtisch fixiert. Noch ehe ich sage er solle gefälligst weiterficken, stopft er das Teil in meinen Mund. Ich solle gefälligst die Schnauze halten, ich romantikbehindertes Fickstück.

Die Haarfarbe Pythagoras´

„Wo zum Teufel ist der Scheiß Schlüssel?“
Sie hätte genauso gut nach der Haarfarbe von Pythagoras fragen können. Wobei das eher so multiple Joyce gewesen wäre, die Frage nach dem Autoschlüssel ist dann doch bisschen verzwickter – quasi unlösbar.
Rennen zum Bahnhof um den einzigen Zug Richtung Süden zu erwischen… Steffi und ich warten am Bahnsteig, Charlie will Frühstück holen. Verfickter scheiß Zug kommt zu früh.
Fährt nur mit mir ab.
Ohne Gepäck. Ohne Geld. Ohne Französisch. Ohne Plan.
Erstmal im Klo einsperren. Internationaler Standard bei finanziellen Schwierigkeiten. Hilft auch in diesem Fall. Zumindest bis das Scheißteil in Lausanne ankommt.
Mutterseelenallein versuche ich den Weg zu der verfickten scheiß Messe zu finden, doch meine Französisch Kenntnisse erlauben es mir allenfalls Drogen zu kaufen. Und jemand um Oralverkehr zu beten. Im Augenblick scheint mir beides wenig zielführend, ich habe noch achteinhalb Minuten um pünktlich bei den Franzosen aufzutauchen.

Comptoir Suisse oder Hashtaglausanne

Durch einen mehr als kritischen Engpass meiner Finanzen, bin ich genötigt meine Zelte vorübergehend in der Schweiz aufzuschlagen.
Leider verstehe ich kein Wort von dem Arbeitsvertrag, den mir Miggi organisiert – abgesehen von meinem Namen und den des Betriebs. Aber no risk – no fun. Ich unterschreibe das Ding und hör mir Miggi´s Warnung noch an: „Der Alte ist ein Pünktlichkeitsfetischist! Pass auf, dass du nicht unpünktlich bist – das ist bei denen ein Kündigungsgrund.“
Verständnisvoll nickend bedanke ich mich bei ihm und mach mich auf den Weg zu dem restlichen Haufen österreichischer Wirtschaftsflüchtlinge. Steffi und Charly haben den Wagen schon vollgepackt und warten bereits auf mich.
„Wozu braucht ihr für zwei Wochen so viel Zeug?“, frage ich entgeistert, als ich den bis zum Anschlag befüllten Suzuki sehe.
„Frag am besten meine Frau“, erwidert Charly leicht angetrunken.
„Ja genau. Das meiste von dem Zeug ist wahrscheinlich dein Rauschgift, du Idiot“, faucht Steffi ihn an. Gott muss Liebe schön sein.
Ich schaffe es tatsächlich auch meinen Kram noch unterzubringen und dabei einen Sitzplatz frei zu halten. Wir beschließen den angebrochenen Abend am See ausklingen zu lassen, bevor es am nächsten Tag runter nach Lausanne gehen soll.
Alte Bekannte und solche die es noch werden sollten hocken rund ums Lagerfeuer, die Sonne geht gerade hinter dem Weinberg unter, zaubert den kleinen Ort in ein malerisches Licht. Es könnte so romantisch sein, wäre da nicht diese Möwe, die plötzlich herabstürzt und mir mein Pizzastück aus der Hand reißt.
„Polnischer Kackvogel, verrecken sollst du dran“, ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin. Unterzuckerte Contenance ist wie ein nationalsozialistisches Einhorn – undenkbar.
JE mehr ich mich aufrege, desto mehr amüsiert sich der Rest der Anwesenden. Charly wirft mir ein Bier zu, ich solle mich beruhigen er wüsste eine Alternative zur Pizza. Gefühlte drei Minuten später sitzen wir zu viert in einem Tretboot, das heftiger schaukelt als eine Wiege voller amphetamingetränkter Frettchen. Insgeheim bin ich froh, dass ich die Pizza nicht selbst gefressen habe – zumindest weiß ich jetzt was mir der Arschlochvogel über uns vor die Füße kotzt – es ist garantiert Bio – und Fairtrade sowieso…
Würde das MDMA nicht grade zu wirken beginnen, wäre ich sicher voll angefressen auf die Arschlöcher. Ich mein was denken sie sich eigentlich?
Das ich behindert bin?
<Ficker!
Nach dem Tretboot kam die Ernüchterung. Blackout. Außerdem der Zug,in dem ich sitze. Ich bin desorientierer als ein syrischer Flüchtling ohne google maps. Was zum Teufel tu ich hier eigentlich?

Wieso krieg ich keinen Euro, bei jedem einzigen verdammten Mal nbei dem ich mir diese Frage stelle?

Intermezzo

Der anfänglichen Euphorie über einen Neubeginn folgen Zweifel. Hab ich die richtige Entscheidung getroffen? War ich Herr meiner Sinne? Oder bin ich nichts anderes als ein durchgeknalltes Produkt unserer schnelllebigen Zeit, unfähig hinter einem Entschluss zu stehen? Flexibilität oder doch schon Unberechenbarkeit?
Stoße beim Recherchieren im Netz auf einen Typ, der mich innerhalb weniger Minuten desillusioniert – vom Schreiben leben zu können sei völlige Utopie, da solle man besser Unternehmer werden. Oder Harz Vier Empfänger. Oder Penner unter einer Brücke – sie alle würden wirtschaftlich besser dastehen als jemand der durchs Schreiben seinen Lebensunterhalt bestreiten müsse.
Außerdem sei es völlig daneben, authentische Geschichten zu fabrizieren – wer wolle schon sein Innenleben vor der Öffentlichkeit ausbreiten? Das geht doch wirklich nicht.
Ich frage mich, ob er schon mal was von Bukowski gelesen hat. Trotzdem verzweifle ich weiter.
Leider finde ich auf der Homepage keinen passenden Link um mit der aufkeimenden Hoffnungslosigkeit in Bezug auf meine Berufswahl umzugehen. Vielleicht wäre ich doch besser Bodypackerin geworden? Oder Prostituierte? Oder Immobilienmaklerin?
Ich bezweifle, dass mein AMS-Berater der geeignete Ansprechpartner für die Art von Sorgen ist. Vielleicht sollte ich AMS Beraterin werden. Oder Hauptdarstellerin bei „jung, pleite und verzweifelt“. Bissl Botox, dann geht das schon.

Über Schweinsbratenkreaturen

Fünf Tage nach dem WM Finale komme ich langsam aber sicher wieder zu mir – von der totalen Ernüchterung bin ich allerdings noch immer so weit entfernt wie die ungarische Nationalmannschaft von einer Bedeutung für den Weltfußball.
So sehr meine Leber auch unter der Veranstaltung litt – der Penis meines Kerls wurde umso mehr geschont, da ich endlich ein sexuelles Tabu für mich selbst entdeckt habe – kein Verkehr während einem WM-Finale. Ich meine sowas ist doch auch wirklich pervers. Welche abartige Schweinsbratenkreatur tut denn sowas?
Nachdem ich und mein Gehirn, oder was noch davon übrig ist, wieder funktionieren, kehre ich zurück in den Alltag. Als erstes lasse ich mich von Mister Lover Lover besteigen. Anschließend laufe ich eine Runde durch den Wald, freue mich, dass mir sein Sperma mit jedem Schritt den ich renne, zwischen den Beinen hinabläuft, so wie das Regenwasser über Putins Schirm nach dem Endspiel. Raus aus dem Wald – rein in die Bank. Endlich der erhoffte Zahlungseingang auf dem Konto – ich schaffe es tatsächlich sämtliche Rechnungen zu bezahlen. Vor lauter Freude wälze ich mich nackt in den aufgegebenen Erlagscheinen, so wie Neymar nach dem Scheinfoul auf dem Rasen. Mache ein Selfie und poste es auf der Homepage meiner Hausbank. Die anschließende Sperre meines Accounts auf Facebook ist es mir wert!
Alles wieder im Lot, abgesehen davon, dass heut kein Fußball ist….

Danke Christine

Vor nicht allzu langer Zeit hat sie gesagt, dass sie aufhört zu schreiben. Ihr fehle schlicht und einfach der Bezug zur heutigen Zeit – Kinderbücher schreiben geht nur, wenn man Kinder versteht.
Sie versteht aber keine Smartphone Realität… Wie soll man schreiben, ohne zu verstehen?
Nagle einen Pudding an die Wand, sagte sie damals.
Heute ist sie nach Hause gegangen.
Wir werden dich niemals vergessen, liebe Christine!
Danke für die Abenteuer im Kopf – du hast sie uns geschenkt….